Sonntag, 2. Juni 2019

Liberal - konservativ oder progressiv?


Für einige Parteifreunde ist die FDP ganz klar eine progressive Partei. Für andere ist sie ganz klar konservativ. Die Begriffe stehen häufig für Milieus oder für Lebensgefühl. Oft sind Neigungen für politische Bündnisse damit verbunden. Konservative FDPler sehen sich häufiger in der Nähe konservativer Unionsteile und bezeichnen sich häufiger als Mitte-Rechts. Für manche gibt es noch ein konservativ geprägtes bürgerliches Lager als Gegensatz zum "linken" Lager. Progressive sehen sich eher näher bei den Grünen und bezeichnen sich häufiger als Mitte-Links. Was sagt es über die FDP aus, wenn sie gleichermaßen Heimat von selbsterklärten Progressiven wie von Konservativen ist? Und trügt der Eindruck, dass die österreichischen NEOS sich insgesamt "progressiver" positionieren, als Teile der FDP?

Andere Liberale neigen nicht zu einer pauschalen Zuordnung zu konservativen oder progressiven Positionen. Konservatismus bedeutet Bewahrung von Lebensbedingungen, Progressivismus deren Veränderung. Aus wertliberaler Perspektive ist weder pauschale Bewahrung von Lebensbedingungen, noch deren pauschale Veränderung angezeigt. Wertliberalen geht es um Lebensbedingungen, die menschliche Entfaltung möglich machen und Freiheitsräume schaffen. Wertliberalen geht es um Lebensqualität von Menschen, um Gesundheit, um Aufklärung, um Natur. Wenn es darum geht, gute Lebensbedingungen zu bewahren oder Natur zu schützen, sind Wertliberale konservativ. Wenn es darum geht, Lebensbedingungen im Hinblick auf bessere Lebensqualität und mehr Gesundheit und Bildung zu verbessern, sind sie progressiv. Sowohl das Bewahren wie das Verändern von Lebensbedingungen sind aus wertliberaler Perspektive kein Selbstzweck, sondern stehen immer im Dienst wertliberaler humanistisch geprägter Politik.


Foto: Deichschafe auf der Geltinger Birk, Kreis Schleswig-Flensburg, Mai 2019