Emotion
"Wer
Politik und Politiker in Form von Werten begreifbar macht, erreicht die
Leute. Wer nur faktisch argumentiert, eher nicht.": Die Linguistin
Elisabeth Wehling über Sprache, Frames und Politik.
Die
gesellschaftliche Entwicklung in Richtung Postfaktizität muss auch den
Wahlkampf der FDP und unsere Kommunikation mit den Menschen verändern:
Wir müssen verstärkt das Werteempfinden ansprechen und uns auf Ängste,
Bindungs- und Heimatbedürfnisse der Menschen fokussieren. Wir brauchen
den affektiven Zugang: Weg von der faktisch-kognitiven, hin zur
emotionalen Ansprache.
FDP goes emotional!
Islamistisches Attentat von Würzburg
Ich
denke, wir müssen zwei Faktoren auseinanderhalten: Zum einen psychische
Desintegration eines Personenkreises aufgrund von Biografie und
alltagsweltlicher Erfahrung, zum anderen die hervorragende "Eignung"
einer religiösen Ideologie, entwurzelten und geschädigten Menschen eine
fragwürdige Scheinidentität zu vermitteln. Beides trifft hier zusammen,
der Zusammenhang ist aber nicht zwangsläufig.
Die
Gesamtkostenbelastung durch die Flüchtlingssituation ist natürlich ein
Ärgernis. Wir sollten aber gerade nicht an der falschen Stelle sparen:
Kosten für Psychotherapie instabiler und traumatisierter
Persönlichkeiten und psychosoziale Integration der bindungslos
Entwurzelten sind angesichts des Bedrohungspotenzials durch etliche
Gefährder vor allem auch eine Investition in die eigene Sicherheit.
Sind Grüne liberal?
Liberale
setzen im Zweifel auf die Menschen und ihre Möglichkeiten.
Rechtsgleichheit ist die liberale Vorstellung von Gerechtigkeit.
Chancengleichheit ist nicht mehr als ein frommer Wunsch und mit
freiheitlichen Mitteln nie annähernd zu erreichen. Grüne
wollen Gesellschaft nach Gleichheitsvorstellungen gestalten und setzen
unfreiheitliche Mittel ein. Liberale lassen die Menschen gestalten und
fördern die Vielfalt der Lebensstile. Das unterscheidet uns fundamental.
Zu Chancengerechtigkeit und Chancengleichheit
Beide
Begriffe sind eine Fiktion und sollten von Liberalen nicht verwendet
werden. Wir sollten stattdessen von Chancenoptimierung sprechen und
diese mit freiheitskonformen Maßnahmen anstreben. Soll heißen:
Individuell angepasste unterschiedliche Förderung vorhandener
Begabungen, Interessen und Ressourcen. Allerdings ist selbst dieses
Konzept nicht unproblematisch, denn es setzt ja voraus, dass ich für
Andere eine sinnvolle Entwicklungsrichtung festschreibe. Wirklich
liberal wäre eine individuelle Förderung von Ressourcen, die jede
Entwicklungsrichtung offenlässt und Chance für den Einzelnen gar nicht
definiert.

Sollen wir als Liberale für Chancengerechtigkeit eintreten? Oder gar für
Chancengleichheit? Da Menschen in vielfältigster Weise unterschiedlich
sind und diese Unterschiede mit freiheitlichen Mitteln niemals
überwunden werden können - und aus freiheitlicher Sicht weitgehend auch
gar nicht sollen - sind beide Begriffe letztlich Fiktion und sollten von
Liberalen nicht verwendet werden. Wir sollten stattdessen von
Chancenoptimierung sprechen und diese mit freiheitskonformen Maßna
hmen
anstreben. Optimierung von Chancen bedeutet individuell angepasste und
unterschiedliche Förderung vorhandener Begabungen, Interessen, Neigungen
und Ressourcen. Allerdings ist selbst dieses Konzept nicht
unproblematisch, denn es setzt ja voraus, dass ich für Andere eine
sinnvolle Entwicklungsrichtung festschreibe. Aufgrund des
Erfahrungsvorsprungs von Lehrern und Erziehern scheint das bei
Minderjährigen in gewissem Maß unvermeidlich und auch berechtigt.
Wirklich liberal wäre aber grundsätzlich eine individuelle Förderung von
Ressourcen, die jede Entwicklungsrichtung offenlässt und Chance für den
Einzelnen gar nicht definiert.
Toleranz und Wertfreiheit
Offene
Gesellschaft im Sinne der Humanitas ist entwicklungs- und
zukunftsoffen, bleibt aber notwendig wertgebunden, wertorientiert und
basiert auf Freiheit in Verantwortung. Das meint eben nicht Libertinage,
meint nicht Werterelativismus, nicht Gleichgültigkeit, nicht
Beliebigkeit.
Weltoffenheit und Privatheit
Es
gibt Phasen im Leben, da ist man beinah autistisch vollkommen auf die
eigene Lebensgestaltung fokussiert und die Vorkommnisse der großen
weiten Welt laufen nur als Hintergrundgeräusch ab. Bei mir war das so.
Erst wenn das eigene Leben in ruhigen, geordneten Bahnen verläuft,
leistet man sich den Luxus, sich selbst zu vernachlässigen und den Blick
auf die Welt zu richten. Nur ganz bodenständigen und selbstbewussten
Zeitgenossen gelingt das dauerhaft. Selbstvorwürfe sind unangebracht.
Wir sind in unseren Möglichkeiten begrenzt und sollten uns nicht
überfordern. Wir sind von der Evolution auf Privatheit geprägt. Der
allseits offene Weltbürger ist ein Luxusphänomen - und ein Mythos - der
Gegenwart.
Verbot sexistischer Werbung?
Sexismus
beruht auf rein subjektiver Wahrnehmung. Erotische Werbung ist
manipulativ, aber das ist Werbung insgesamt - also kein Grund, sie zu
verbieten. Erotik im Alltagsleben und ein unverkrampfter Umgang damit
sind ein wesentlicher Bestandteil eines freiheitlichen Lebensgefühls und
einer freiheitlichen Kultur, den wir unbedingt verteidigen sollten.
Merkel in der Causa Böhmermann
Auf
unsere unabhängigen Gerichte müssen wir jetzt hoffen und vertrauen.
Merkels Kniefall vor Erdogan war eine peinliche Demütigung für unser
Land und ein Frontalangriff auf unsere Freiheitsrechte. Eine Anklage
nach dem Majestätsbeleidigungsparagrafen 103 StGB aus der Zeit des
Obrigkeitsstaates zuzulassen, ist ein Anachronismus.
Angela Merkel hat ihn praktiziert, den Kniefall vor Erdogan. Welche
peinliche Demütigung für unser Land. Und welcher Frontalangriff auf
unsere Freiheitsrechte. Sofort weg mit dem
Majestätsbeleidigungsparagrafen § 103 StGB aus der Zeit des
Obrigkeitsstaates! Und sofort weg mit dieser Kanzlerin!
Reform der katholischen Kirche
Religionsgemeinschaften,
die lust- und lebensfeindliche Einstellungen aufgeben und sich der Welt
und den Menschen zuwenden, könnten eine wichtige Rolle in einer Zeit
spielen, in der Menschen wie selten zuvor nach Orientierung, Sinngebung
und verlässlichen Werten suchen. Die Öffnung und Selbstbefreiung einer
recht weltfernen Institution, die sich hier abzeichnet, kommt vielleicht
gerade noch rechtzeitig.
Böhmermann-Satire und Erdogan
Eine
einschränkende und ausgrenzende Definition von Satire und eine Zensur
oder Selbstzensur einer öffentlich-rechtlichen Anstalt beschädigen eine
freiheitliche Kultur weit mehr, als es ein missratenes, völlig
indiskutables Kulturprodukt (was das "Schmähgedicht" ohne Zweifel war)
je könnte. Der Wert einer freiheitlichen Toleranzkultur zeigt sich
gerade im gelassenen Ertragen auch des Abartigsten.
Überforderung von Schülern, Burnout, ADHS
Die Überforderungsgesellschaft, die zunehmend die Gesundheit unserer
Schwächsten bedroht. Dabei kann produktive Entwicklung von
Persönlichkeit nur im freien entspannten Feld und in angstfreien
Beziehungen gelingen. Wir müssen dringend umdenken. Unsere Kinder wieder
in Ruhe und selbstbestimmt reifen lassen. Ihnen wieder Raum geben für
Entfaltung ihrer Anlagen. Und Zeit.
Auch
in diesem Jahr unterstützen wir wieder die Kampagne WALD STATT RITALIN.
Ritalin ist der Handelsname des Amphetaminderivats Methylphenidat, das
mit erheblichen Nebenwirkungen und Folgeschäden bei der sogenannten
Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS, ADHD) eingesetzt
wird. Häufig viel zu früh und ohne ausreichende Indikation.
Horst Seehofer und die "Herrschaft des Unrechts"
"Wir haben im Moment keinen Zustand von Recht und Ordnung. Es ist eine
Herrschaft des Unrechts." So spricht der Parteivorsitzende einer Partei,
die auch weiterhin wenig Probleme damit haben wird, als
Koalitionspartner an der Regierung beteiligt zu sein, die die Herrschaft
des Unrechts implementiert. Seehofer
verurteilt, was er (als Chef einer Regierungspartei) selber
repräsentiert. Die Klinische Psychologie kennt hierfür den Begriff der
Dissoziation – eine Trennung von im Normalfall verbundenen Wahrnehmungs-
und Gedächtnisinhalten. Die Folge ist eine Störung der integrativen
Funktionen des Bewusstseins und der Identität.
Antidiskriminierung und Hausrecht
Bei
gewerblichen Betrieben darf es aus meiner Sicht anders als im
Privathaushalt keine formelle Diskriminierung geben. Formelle
Diskriminierung bedeutet, Menschen aufgrund bestimmter Merkmale oder
auch aufgrund eines nicht näher bestimmten Gesamteindrucks den Zutritt
zu verwehren. Öffentliches Interesse an Nichtdiskriminierung ist höher
zu gewichten als das Hausrecht des Gewerbetreibenden. Zulässig hingegen
ist informelle Diskriminierung etwa über Preise, Kleiderordnung oder
sonstige Verhaltenskultur. Entscheidend ist, dass hier der Gast selber
entscheidet, ob er/sie unter den gegebenen Bedingungen teilnehmen
möchte.
Christian Lindner zum Antisemitismus von Flüchtlingen
Starker
Auftritt von Lindner. Problematisch aber die Aussage zu Josef Schuster:
Pauschalisierungen sind immer fragwürdig. Richtig ist aber, dass die
Flüchtlinge zu einem sehr erheblichen Teil aus Gesellschaften kommen,
die massiv anti-israelisch bzw. anti-jüdisch geprägt sind. Es geht ja
hier um Gefahrenabwehr, um Prophylaxe. Da ist es schon legitim, Gruppen
besonders im Auge zu haben, bei der die Prognose unzweifelhaft ungünstig
ist. Mediziner gehen regelmäßig so vor: Besondere Wachsamkeit bei
spezifischen genetischen Dispositionen oder anderen Risikofaktoren. Das
bedeutet keine Aussage über den individuellen Einzelfall, auch keine
Verharmlosung oder Relativierung rechter Gewalttäter.
Zum Rauswurf Matthias Matusseks bei der "Welt"
Konsensfaschismus:
Unsinn! Verlage und Medien müssen auf unsägliche Äußerungen reagieren
dürfen. Wollen sie sich nicht dem Vorwurf wertevergessenen Relativismus
schuldig machen, müssen sie es sogar. Der Rauswurf war ein Akt von
Zivilcourage und Betriebshygiene.
Umgang mit Terrortätern
„Warum geben die Medien so einer Kreatur "last minutes of fame"? Sie ist tot. Gut so. Abhaken. Nächste(n) finden.“ kommentiert Wolfgang J. Stützer.
So einfach sollten wir es uns nicht machen, finde ich. Täter sind immer
auch Opfer, Menschen, die ihre Menschlichkeit auf dramatischste Weise
verloren haben, fürchterlich gescheiterte Entwicklungen und Biografien,
unendlich bittere Geschichten verlorener Träume und Hoffnungen. Mich
stimmen solche Lebensgeschichten unendlich traurig. Wir sollten diese
Täter, die auch Opfer sind, nicht dehumanisieren – damit stellten wir
uns auf eine Stufe mit den Entmenschlichern selbst. Wir sollten uns
nicht blindem Hass hingeben, sondern nach den Ursachen fragen, die eine
Entmenschlichung von Menschen möglich machen. Und der verlorenen Seelen
im Stillen gedenken.
Flüchtlingsintegration
Damit gesellschaftliche Integration gelingt, muss sie sehr
früh – möglichst schon in den Erstaufnahmeeinrichtungen – anlaufen. Die
Mehrheit der Flüchtlinge kommt aus bildungsfernen Schichten mit
männerdominierter archaischer und streng muslimischer Prägung. Zudem
kommen fast alle Flüchtlinge aus ausgesprochen staatsautoritären
Gesellschaften. Erfahrungen der Kriegssituation und der Flucht haben zu
einer ausgeprägten Enthemmung und Gewaltprägung geführt. Es muss daher
vor allem darum gehen, diese Menschen an unser Rechts- und Normensystem,
sowie an westliche Werte und Zivilisationsstandards heranzuführen.
Vielfach herrschen Versorgungsmentalität, Passivität und unrealistische
Erwartungshaltung in Bezug auf Konsummöglichkeiten und Lebensführung
vor. Lethargie, Depression und Ängsten muss durch frühzeitige Anleitung
zu Eigeninitiative und Selbsthilfe entgegengewirkt werden. Dies gelingt
am besten, wenn Flüchtlinge so früh wie möglich die Massenunterkunft
verlassen können und am beruflichen und gesellschaftlichen Leben
teilnehmen. Wir dürfen diese Menschen keineswegs in Wartezonen parken,
sondern müssen sie frühzeitig durch aufwändige Maßnahmen integrieren und
auch Eigenleistung und eigenes Bemühen um Integration von ihnen
einfordern.
Reaktion auf Terror
Die Feinde der offenen Gesellschaft wollen nicht nur, dass wir im Alltag
Angst haben. Sie bezwecken, dass unsere Gesellschaften sich
radikalisieren, ihre Offenheit durch Abschottung ersetzen und so ihre
Stabilität verlieren. Deshalb sind wir aufgerufen, aus der Trauer die
Kraft zu entwickeln, die innere Liberalität entschiedener als bisher zu
verteidigen.
Meinungsfreiheit
Meinungsfreiheit
bedeutet eben nicht, dass wir alles ertragen und aushalten müssen.
Meinungsfreiheit schliesst auch das Recht ein, Meinung abzulehnen, zu
widersprechen und aufzubegehren. Bürger haben das Recht,
Geschäftspartner aufgrund ihrer Positionen abzulehnen. Das gilt auch für
Verlage und Buchhändler gegenüber Autoren. Meinungsfreiheit ist keine
Duldungsverpflichtung.
Es
geht hier doch gar nicht um Grenzen der Meinungsfreiheit, sondern um
Zivilcourage. Meinungsfreiheit ist keine Duldungsverpflichtung. Menschen
müssen nicht jede Zumutung ertragen und stehen dagegen auf. Buchhändler
und Verlage zeigen Flagge und reagieren - wenn auch zu spät. Passanten
zeigen Zivilcourage in der Fußgängerzone, indem sie klar machen: Wir
wollen das hier nicht. Das ist großartig!
Sind wir zu liberal?
Wir
sind zu tolerant gegenüber Intoleranz. Wir verwechseln zu oft
wertgebundene Freiheitlichkeit mit werterelativistischem Liberallala.
Freiheit, die sich nicht gegen ihre Feinde abzugrenzen versteht, weiß
sich auch nicht gegen sie zu verteidigen.
Hassbürger
Die Ressentiments der Hassbürger sind ganz stark von gelernter
Hilflosigkeit geprägt, vom Gefühl der Selbstunwirksamkeit, der
Unfähigkeit, das eigene Leben gestalten, beeinflussen, verändern zu
können. Unsere Welt ist eine Welt der Außengeleiteten, der Getriebenen,
der Fremdbestimmten geworden. Was wir dagegensetzen müssen, ist eine
neue Erzählung der Freiheit, eine Lebenskultur der Freiheit, wie sie
etwa Ralph Waldo Emerson in "The American Scholar" zum Ausdruck gebracht
hat: Sich auf sich selbst und seine Fähigkeiten besinnen, sein Leben
selbst in die Hand nehmen, Verantwortung übernehmen, sich für frei und
unabhängig erklären. Was wir dazu brauchen, ist Optimismus, Mut - und
eine Vision vom besseren, wirkungsvolleren Selbst.
Horst Seehofers "infantiler" Politikstil in der Flüchtlingsfrage
Marion
Horn hat Recht: Horst Seehofer handelt populistisch, unreflektiert,
kurzsichtig, staatspolitisch unverantwortlich. Das hat etwas Unreifes -
doch es betrifft nicht nur Seehofer und die vorpreschenden CSU-Granden
allein. Der "Besorgte-Bürger"-Kultur insgesamt haften gewisse unreife,
infantile Verhaltensmuster und Attitüden an: Eine mangelhafte
Bereitschaft, die Dinge zu Ende zu denken, eine mangelnde Fähigkeit,
Verantwortung übernehmen zu wollen und über den eigenen Tellerrand
hinauszudenken, ein narzisstischer Egozentrismus, eine Unwilligkeit, zu
teilen, vom Eigenen abgeben zu können. All das kennzeichnet präadulte
Entwicklungsphasen.
Ehe-Resilienz und Gender
Ehen
scheitern heute vielleicht nicht öfter als früher, aber sie werden viel
öfter und schneller geschieden. Diese mangelhafte Resilienz von Ehe
(und Beziehung insgesamt) ist dem Zeitgeist geschuldet:
Oberflächlichkeit und Larmoyanz, überzogener Individualismus,
egoistisch-narzisstische Tendenzen, überzogene Konsumhaltung
(Wegwerfmentalität), fehlende Bereitschaft, mühevolle Beziehungsarbeit
leisten zu wollen oder zu können uvm. Was "Gender" betrifft: Solange die
Bewegung mit emanzipativem Anspruch daherkommt, der für die Interessen
von Minderheiten eintritt, verdient sie volle Unterstützung. Aber es
gibt wohl auch dogmatische und destruktive Tendenzen der Intoleranz
gegenüber dem Mainstream, die sich gegen konservative Lebensmodelle,
unsere Sprache und unser Denken richten.
Fernsehauftritt der Kanzlerin in der Flüchtlingskrise
Die
Kanzlerin verkörperte in diesem Gespräch alles, was wir in der FDP mit
"GERMAN MUT" ausdrücken wollen: Optimismus, Grundsatztreue,
Selbstvertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit, Entschlossenheit, sich
gewaltigen Herausforderungen zu stellen, voranzugehen und in Europa
Führung zu zeigen. Und eben viel Mut, dafür mit der eigenen Person
einzustehen. Dieser offene und ehrliche, sehr lutherische Auftritt war
anrührende, große Kommunikation.
Liberale Handschrift in der Flüchtlingspolitik
Ein sächsischer FDP-Ortsverein lädt zu einer Abendveranstaltung mit der
"AfD"-Vorsitzenden Frauke Petry ein und erntet breite Zustimmung vor
Ort. Nach Einschätzung von Tom Thieme, Politikwissenschaftler an der TU
Chemnitz, stehe die FDP derzeit vor einem Dilemma: Die Partei müsse
entweder einen asylfreundlichen oder einen asylkritischen Kurs
einschlagen. Eine asylfreundliche FDP würde sich aller
dings
kaum von anderen Parteien abheben. Und eine asylkritische FDP könne der
AfD nicht das Wasser reichen, wenn es um das Flüchtlingsthema gehe.
Dieses Dilemma führe zu irrationalen Entscheidungen wie der, Frauke
Petry einzuladen, so Thieme.
Ich sehe das Dilemma für die FDP nicht, das Tom Thieme beschreibt. Als
humanistisch geprägte Rechtsstaatspartei stehen wir ohne Wenn und Aber
zum Asylrecht. Möglichkeiten zur Profilschärfung gibt es dabei genug:
Entbürokratisierung, integrationsfördernde, dezentrale Unterbringung,
Förderung von bürgerschaftlichem Engagement, Anreize zu Eigenleistung
und Eigeninitiative von Flüchtlingen schaffen etc. Es gibt breiten Raum
für genuin liberale Impulse und Aktivitäten in der Flüchtlingspolitik.
Gemütliche Abende mit Frauke Petry gehören aber ganz sicher nicht dazu.
Umgang mit der AfD
In
Wiesbaden regiert offenbar die Vernunft: Ich halte das Ausgrenzen von
politischen Gegnern für falsch und kontraproduktiv. So werden Märtyrer
aufgebaut und die Partei wird durch Solidarisierungseffekte gestärkt.
Wir sollten die AfD im fairen Dialog mit Sachargumenten bekämpfen. Da
bestehen Möglichkeiten genug.
Angela Merkel
Sie
hätte kaum die AfD so stark gemacht, wenn sie nach Volkes Stimme
gefragt hätte. Sie macht Politik dezidiert gegen die Interessen des
Volkes und die öffentliche Meinung. Ihr Handeln wirkt eher autistisch:
Sie folgt allein ihren eigenen Eingebungen und Vorstellungen. Sie
larviert auch nicht. Sie verfolgt konsequent ihren Weg der inneren
Eingebung und verlangt von den Bürgern Gefolgschaft im Glauben.
Rechtsruck durch Erstarken der AfD?
Weitgehend zutreffende Analyse von Sahra Wagenknecht. Allerdings ist der
behauptete Rechtsruck ein Mythos: Die Kanzlerin verantwortet zunächst
einen erheblichen Linksruck der Christdemokraten, der große Teile des
konservativen Milieus politisch heimatlos gemacht hat. Zudem trägt sie
einen erheblichen Teil Mitschuld am damaligen Einbrechen der FDP und dem
Fehlen einer freiheitlichen und ordnungspolitischen Kraft im Deutschen
Bundestag. Schließlich haben auch die Sozialdemokraten durch ihre
Unterstützung des Merkelkurses zur erheblichen Entfremdung eines
beträchtlichen Teils ihrer Wählerschaft beigetragen. Im Erstarken der
AfD manifestiert sich somit weitestgehend kein Rechtsruck, sondern das
Zusammenfinden von ausgegrenzten und politisch entfremdeten Teilen der
Wählerschaft aus unterschiedlichen Milieus der Gesellschaft.
Muss ich Terrortäter lieben?
Nach Margot Käßmann ist auch ihr Nachfolger als EKD-Ratsvorsitzender,
Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, der Auffassung, wir müssten auch
fanatisierte IS-Kämpfer lieben. Wenn ein Dschihadist getötet werde, sei
das Grund zur Trauer, weil ein Mensch gestorben sei. Käßmann und
Bedford-Strohm vertreten hier ein radikales und wohl naiv zu nennendes
Gutmenschentum, eine entschiedene Gesinnungsethik, die weltfern anmutet.
Die Gefahr besteht, dass man Menschen mit der Forderung, die Täter
fürchterlicher und menschenverachtender Gewalttaten zu lieben, schlicht
überfordert. Auch radikales Gutmenschentum kann durch ebendiese
moralisch-ethische Überforderung unmenschlich sein - und Menschen
zunehmend von der Kirche entfremden.
Die
Frage ist ja, über was wir hier konkret reden. Für die Täter ein
gewisses Mitgefühl aufzubringen, nachdem ich sie ausgeschaltet, d.h. in
der Regel getötet habe, wäre eine Sache. Ein Mitgefühl jedoch, das aus
Milde die Täter verschont und somit neuen Terror ermöglicht, wäre
selbstzerstörerisch und somit undurchführbar, wie Frau Bürkle-Schmalz
meint.
Eine
Verantwortungsethik ist für mich pragmatisch, immer auf den
individuellen Einzelfall und die Beurteilung von individueller Schuld
bezogen. Wenn Bedford-Strom fordert, Menschen völlig losgelöst von ihrer
individuellen Schuld zu lieben, ist das eine Forderung, die seiner
humanistisch-christlichen Gesinnung entspringt, also für mich
Gesinnungsethik - und zwar in ausgeprägter Form.
Menschliche
Schuld ist immer das Ergebnis von Biografie, einem komplexen Geflecht
von Anlage (Disposition) und Lebenserfahrung (Prägung). Wir alle tragen
das Potenzial zum Guten wie zum Bösen in uns. Was uns letztlich
unterscheidet, ist das Ausmaß an Anfälligkeit (Vulnerabilität) und an
Widerstandskraft (Resilienz).
Postelitäres Zeitalter?
"Wir
leben nicht nur in einem postfaktischen, sondern auch in einem
postelitären Zeitalter. Alles, was einen Hierarchieunterschied oder ein
Machtgefälle begründet, scheint erst einmal verdächtig, angefangen bei
dem Beharren auf formalen Bildungsabschlüssen."
Jan Fleischhauer
ist weitgehend zuzustimmen: Eine Nivellierung von Qualitäts- und
Kompetenzstandards beschädigt die politische Ordnung und Kultur. Wir
dürfen aber nicht formale Bildungsqualifikationen zum Fetisch
stilisieren: Was wir brauchen, ist eine Renaissance von Wertebewusstsein
mit Respekt und Achtung vor Leistung und Kompetenz - völlig unabhängig
von Abitur, Hochschulabschluss und Diplom.